26.02.2016 Hochzeitsempfang für Reham und Elias



Dieser Samstag stand ganz unter diesem erfreulichen Ereignis: Elias und Reham, zwei Flüchtlinge aus Syrien, schafften es nach einigen Hürden zur Heirat. Die MALTESER, die mit den beiden durch einen Deutschkurs in Kontakt gekommen sind, richteten für das Brautpaar einen Empfang in unserer Zentrale aus.  

Elias ist einer der 22 syrischen Christen, die jeden Freitag zu einer Gebetsstunde mit anschließender Agape kamen. Diese wird für und mit Flüchtlingen in Innsbruck organisiert. Verschiedene Bewegungen wie S. Egidio, Fokolare, Pax Christi laden dazu ein. So lernte auch Anna-Katharina Fraydenegg als Vertreterin der Malteser diese Gruppe kennen und bot sich als Deutsch-Lehrerin an.

 

Elias lehnte aber dankbar ab. Er, ein junger Bauingenieur und Schlagzeuger, hatte nach seiner eigenen Flucht vorerst nur eines im Sinn: seine Verlobte nachzuholen und gleich zu heiraten.
Nach sechs Monaten in einem Männerlager war er in den Gästetrakt des Franziskanerklosters in Telfs übersiedelt – mit dem Wissen, auch seine junge Frau wäre dort willkommen.

Vom Libanon aus hatte Reham, eine hübsche syrische Volksschullehrerin, ihr Gepäck  schon vorausgeschickt. Dann gelang auch ihre Flucht (im Schutz zweier vertrauter Freunde) genauso dramatisch, wie wir es aus dem Fernsehen kennen. In der ersten Februarwoche kam sie endlich nach großen bürokratischen Schwierigkeiten in Telfs an!


 

Beim nächsten Wortgottesdienst wurde Reham der Gruppe, die sich inzwischen fast familiär angefreundet hatte, vorgestellt, und alle Anwesenden wurden zur Trauung neun Tage später eingeladen – mit dem Vorbehalt: „…, wenn das Brautkleid rechtzeitig da ist.“ (Das war als Hochzeitsgeschenk vom Libanon aus hergeschickt worden.)
Das wäre die Gelegenheit, die Malteser Zentrale als Begegnungsort und nicht nur als Deutschkursort vorzustellen! So wurde dem Brautpaar und seiner Dolmetscherin/Trauzeugin Marie vorgeschlagen, eine „Hochzeitsagape“ in der MALTESER Zentrale zu veranstalten.

Binnen zweier Tage wurde alles geregelt und ausgemacht. Doch dann kam der Anruf der aufgeregten Trauzeugin: „Der österreichische Zoll hatte keine Rechnung im Paket gefunden und das wunderschöne Kleid zurück in den Libanon geschickt. Wir müssen wieder warten!“


Kein Problem – Malteser sind flexibel! Der „Traum in Weiß“ kam tatsächlich eine Woche später in Innsbruck an.

So empfing das Brautpaar – endlich klassisch in Schwarz und Weiß – am Samstag, den 27. Februar 2016, durch Pater Severin Mayrhofer OFM einen Brautsegen in der Herz-Jesu-Kirche. Mit bewundernswerter Gelassenheit ließ P. Severin (Rektor des Franziskanerklosters und Gastgeber des Paares) die vielen Fotographen gewähren. Die übertrugen nämlich online mit ihren Handys die Zeremonie und die Andacht vor der Ikone der „Mutter von der immerwährenden Hilfe“ (in Syrien weit verbreitetet) live in die Wohnzimmer der beiden Familien nach Syrien.

 

 

Dann ging es zum Empfang in die mit Grünpflanzen und Stehtischen herausgeputzte MALTESER Zentrale. Nach so viel Vorbereitungszeit war erst recht ein schöner Hochzeitsempfang vorbereitet worden: 
eine dreistöckige Hochzeitstorte (von unserer Verena selbst hergestellt), eine Hochzeitskerze, Blumen, eine verzierte Geldspendenbox, gespendete Getränke, sowie mitgebrachte Kuchen und salzige Imbisse nach syrischer Art standen auf geschmückten Buffettischen bereit. 

Nach zahlreichen Glückwünschen, Sekt und Imbissen wurde die Hochzeitstorte trditionell (mit Messerrücken nach oben!) angeschnitten und an die über 60 Mitfeiernden verteilt. 
Berührend waren die Herzlichkeit und tiefe Verbundenheit mit diesem glücklichen Paar, dem wir alle als Familienersatz an diesem besonderen Tag dienen durften.

Dann gab’s Musik. Konnte man zuerst am Laptop die Fotos der orthodoxen Trauung mit dem Popen und den goldenen Kronen etc. anschauen, ertönte später syrische Tanzmusik, die alle Anwesenden zum Mitmachen einlud. Schließlich fanden sich sogar der „Anton aus Tirol“ und ein echter „Wiener Walzer“ im Internet. Es wurde getanzt, geklatscht und gelacht – ein fröhliches Fest nach unendlich schweren Monaten. 

Wir wünschen dem Brautpaar Reham und Elias alles Glück und viele Freunde auf seinem gemeinsamen Weg.
Ein geschenktes Fotobuch soll sie an diesen unvergesslichen Festtag erinnern.

Anna Katharina Fraydenegg